Mögliche Symptome von Hämochromatose

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BabsG
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Mögliche Symptome von Hämochromatose

Beitrag von BabsG »

Hallo,
ich bin bei meiner Internet-Recherche zu Hämochromatose auf die verschiedensten Symptome gestoßen. Viele sind unspezifisch: Müdigkeit, Bauchfett, erhöhte Leberwerte..., aber auch erektile Dysfunktion (ED) und geminderte Libido. Wenn man beim Arzt solche Symptome schildert, kommen die meisten aber mit der Aussage: "Das kann alles mögliche sein." Mir scheint, dass viele Ärzte Hämochromatose gar nicht auf dem Schirm haben. Obwohl ich gelesen habe, dass dies die am weitesten verbreitete Erbkrankheit ist, mit 15 %.

Speziell bei ED und Libido-Verlust konnte ich aber im Internet nichts finden, was die Zusammenhänge erklärt. Jetzt kann ich zwar verstehen, dass jemand, der ständig müde ist, auch keine Lust auf Intimitäten mit dem Partner hat. Aber wie kommt es rein organisch dazu? Kann mir das hier jemand genauer erklären? Mein Mann klagt seit ca. einem dreiviertel Jahr, er sei trotz ausreichendem Schlaf, schon tagsüber müde. Er wurde auch antriebslos und bemerkte selber, dass er „eigentlich keine Lust auf Sex mehr hat“ – wohlgemerkt zu unser beider Bedauern! Und wenn, dann gibt es Schwierigkeiten mit der Erektion (hält nicht lang). :down
Bei der letzten planmäßigen Prostata-Vorsorge beim Urologen sprach er das Thema an. Dieser hat ihn aber nicht näher untersucht und meinte nur, dass sei mit 57 Jahren „normal“ und gab ihm ein Rezept für Sildenafil (Viagra). Das wiederum wirkt bekanntlich aber nur, wenn man auch erregt ist. Und bei niedriger Dosierung zeigte sich, dass es auch kein „Wundermittel“ ist. Die volle Dosis führte zu komischen Nebenwirkungen.
Habt ihr da Erfahrungen?
LG
Barbara
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Lia
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Re: Mögliche Symptome von Hämochromatose

Beitrag von Lia »

Hallo Barbara,

verminderte Libido und erektile Dysfunktion können diverse organische und nicht organische Ursachen haben.
Muss Dir leider gleich mitteilen, Hämochromatose ist bei der von Dir angegebenen Ferritinhöhe als Ursache für diese Symptomatik nicht wahrscheinlich, selbst wenn Hämochromatose Ursache für das erhöhte Ferritin wäre.
Erst bei hochgradiger(!) Hämochromatose kann es zu Organschäden kommen, die sich auf die Männergesundheit auswirken:
Damit Eisenüberschuss solche Organschäden verursacht, muss sich über die Jahre sehr viel Eisen angesammelt haben, Ferritin >1000 ng/ml, meist weitaus höher.
Bestehen eisenbedingte schwere Organschäden, kann die Männergesundheit beeinträchtigt werden durch folgende mögliche Organmanifestationen:
-Leberzirrhose (Testosteronmangel)
-Diabetes (Schädigung von Nerven)
-Schädigung Hirnanhangsdrüse; anderes Wort für die Hirnanhangsdrüse ist Hypophyse, sie liegt an Unterseite des Gehirns in Höhe der Nase (Testosteronmangel)
-weitere Eisenbelastung im Gehirn: Psyche depressive Verstimmung (Libidoverlust)
-Hypothyreose (Libidoverlust)
-Schädigung der psychischen Gesundheit aufgrund Dauerbelastung durch schwere chronische Erkrankung und/oder chronischen Schmerzen durch Gelenkschäden

Bei tieferen Ferritinwerten und nicht hochgradiger Eisenüberladung, die man viel häufiger sieht, können leberbedingte Müdigkeit und Gelenkschmerzen auf die Psyche gehen und sicherlich zu Libidoverlust führen bzw. beitragen.
Bei eisenbedingtem reversiblen Leberschaden kann Müdigkeit auftreten.
Die Psyche kann in Mitleidenschaft sein aufgrund Belastung durch chronische Erkrankung bzw. Schmerzen durch Gelenkschäden, die auch schon bei nicht hochgradiger Eisenüberladung auftreten können.

Und wie immer im Blickfeld haben sollte man auch bei Hämochromatose, dass Alkoholmissbrauch oder ungesunde Ernährung, auch eine einseitige Ernährung, z.B. streng eisenarme Diät ungünstig ist und je nachdem auch auf die Männergesundheit Auswirkungen haben kann. Ebenfalls ungesund kann es sein, ohne ärztl. Empfehlung bzw. nachgewiesenen Mangel Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, da auch eine Überversorgung oder in Nahrungsergänzungsmitteln enthaltene Stoffe ungesund sein können.
Auch Medikamente sollte man als Mitspieler oder mögliche Ursache im Blickfeld haben und dem Arzt mitteilen.

Das war jetzt ein Beitrag auf die Frage, wie sich Eisenüberladung auswirkt. Aber!
Bei Deinem Mann wurde bislang aber nur ein erhöhtes Ferritin festgestellt. Erhöhtes Ferritin hat zumeist andere Ursachen als Hämochromatose. Erst dauerhaft erhöhtes Ferritin plus! deutlich erhöhte Transferrinsättigung ist verdächtig auf mögliches Vorliegen einer Hämochromatose.
Aber selbst, wenn sich Hämochromatose als Ursache für das erhöhte Ferritin herausstellen sollte, liegt der Ferritinwert Deines Mannes deutlich unter 1000 ng/ml. Bei Ferritin um die 700 ng/ml ist bei bestätigter Hämochromatose der Eisenüberschuss noch nicht so hochgradig, um die schweren Organschäden zu verursachen.

Sehr viel wahrscheinlicher sind also andere Ursachen.
Arteriosklerose und Arteriosklerose-Medikamente können für Impotenz verantwortlich sein.
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/ ... en100.html
Es gibt nachgewiesene Ablagerungen bei Deinem Mann. Plaques könnten evtl. auch an anderswo sein, mit Auswirkung auf die Männergesundheit? Auch wenn viele ältere Männer Probleme haben, würde ich an Eurer Stelle ärztl. Unterstützung holen, damit die Ursachen klarer werden. Richtiger ärztl. Ansprechpartner ist wie immer der Hausarzt als erste Anlaufstelle für Gesundheitsprobleme und der Facharzt ist der Urologe mit Zusatzbezeichnung Andrologie. Der Androloge ist der Experte für die Diagnose/Therapie sexueller Funktionsstörungen.
Das wärs erstmal von mir, Du bekommst noch einen Beitrag im anderen Thread. :)

Würde mich sehr freuen, wenn Betroffene ihre Erfahrungen mitteilen, das geht auch im nicht sichtbaren Bereich des Forums.
Es ist ein sensibles Thema, aber hier im Forum im nicht sichtbaren Bereich unter Benutzernamen lässt sich gut darüber austauschen.
Ich kann hier nur Wissens-Input geben, aber das ist eigentlich nur ein kleiner Teil des Forums, viel toller wäre Erfahrungsaustausch. :daumen

Liebe Grüße

Lia
BabsG
Frischling
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Registriert: Sa 20. Aug 2022, 12:27

Re: Mögliche Symptome von Hämochromatose

Beitrag von BabsG »

Danke Lia für deine Antwort.
Ich weiß, dass es natürlich andere Ursachen geben könnte. Deshalb fand ich es nicht gut, dass der Urologe nur den Rezeptblock zückt und sonst gar nichts macht. Meines Wissens kann man auch die Arterien zum Genitalbereich mit Ultraschall auf Stenosen untersuchen und die Schwellkörper auch. Medikamente als Ursache scheiden aus, da er keine nimmt, weil er aufgrund des Morbus Meulengracht mehr als andere Menschen unter Nebenwirkungen leidet.
Auch ich würde mich über Erfahrungen von anderen Forumsmitgliedern (im geschützten Bereich) sehr freuen.

Babs
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Lia
Alter Hase
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Registriert: Mo 15. Mär 2004, 17:08

Re: Mögliche Symptome von Hämochromatose

Beitrag von Lia »

Ja, wenn hoher Leidensdruck da ist, reicht der Rezeptblock nicht. Daher würde ich den Andrologen aufsuchen.

Evtl trägt der M. Meulengracht zusätzlich zu Müdigkeit und Antriebslosigkeit bei.